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Die Deportation war „ein einschneidendes Ereignis nicht nur für jeden Betroffenen, sondern für die gesamte sächsische Gemeinschaft“, unterstrich Rainer Lehni bei der Eröffnung des Digitalen Heimattages 2020 an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl. Der Bundesvorsitzende erinnerte in seiner Ansprache, die im Folgenden im Wortlaut abgedruckt wird, an das Kriegsende vor 75 Jahren und an die Russlanddeportation.

Meine Damen und Herren, liebe Landsleute, die Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen wurde 1967 in diesem prächtigen Lindendom vor den Stadtmauern Dinkelsbühls als Stätte der Andacht eingeweiht. Seither ist sie Jahr für Jahr eine Art Pilgerstätte am Heimattag geworden, wo man am Pfingstsonntagabend im Schein der vielen hundert Fackellichter mit einer Gemeinschaftsandacht an die Toten der Siebenbürger Sachsen erinnert. Die Klänge der Dinkelsbühler Knabenkapelle mit dem Zapfenstreich untermauern diesen feierlichen und für viele Anwesenden auch bewegenden Moment. Die Gedenkstätte lädt auch an den anderen Tagen des Jahres zum andachtsvollen Verweilen ein. Umgeben wird der zentrale Gedenkstein von den sieben Blöcken mit den auf die Himmelsrichtungen der fernen Gräber hinweisenden Inschriften: „Im Osten”, „im Süden”, „im Westen”, „im Norden”, aber auch „hinter Stacheldraht”, „auf der Flucht”, „in der Heimat”.

Gerade in diesem Jahr erinnern wir an ein Ereignis vor 75 Jahren, das sich wie kaum ein anderes in das kollektive Gedächtnis unserer Gemeinschaft eingeprägt hat. Vor wenigen Tagen wurde in Europa coronabedingt im kleinsten Kreis an das Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 erinnert. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehrere zehntausend Siebenbürger Sachsen, wie auch andere Deutsche aus Rumänien, bereits seit mehreren Monaten in den Zwangsarbeitslagern in der Sowjetunion. Im Januar 1945 begann dieses Martyrium für viele unserer Eltern oder Großeltern, das für viele fünf lange und entbehrungsreiche Jahre dauern sollte. Praktisch jede deutsche Familie in Rumänien war davon betroffen. Getroffen hat es nicht die Schuldigen am Zweiten Weltkrieg, sondern die Zivilbevölkerung, vor allem Frauen, die zuhause für den Unterhalt der Familien – vor allem der Kinder und Alten – sorgen mussten. Von heute auf morgen waren Kinder ohne Mütter geblieben, oder Eltern ohne ihre Kinder. Die Deportation war ein einschneidendes Ereignis nicht nur für jeden Betroffenen, sondern für die gesamte sächsische Gemeinschaft.

Die Banater Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat die Deportation in ihrem Roman „Die Atemschaukel“ nicht nur in unser Gedächtnis gerufen, sondern auch in der gesamtdeutschen Literatur wie auch in der Weltliteratur bekannt gemacht. In diesem Roman heißt ein Kapitel „Vom Hungerengel“. Hieraus will ich ein paar Zeilen zitieren:

„Immer ist der Hunger da. Weil er da ist, kommt er, wann er will und wie er will. Das kausale Prinzip ist das Machwerk des Hungerengels. Wenn er kommt, dann kommt er stark. Die Klarheit ist groß: 1 Schaufelhub = 1 Gramm Brot. Ich bräuchte die Herzschaufel nicht. Aber mein Hunger ist auf sie angewiesen. Ich wünschte, die Herzschaufel wäre mein Werkzeug. Aber sie ist mein Herr. Das Werkzeug bin ich. Sie herrscht, und ich unterwerfe mich. Und doch ist sie meine liebste Schaufel. Ich hab mich gezwungen sie zu mögen. Ich bin unterwürfig, weil sie ein besserer Herr zu mir ist, wenn ich gefügig bin und sie nicht hasse. Ich hab ihr zu danken, denn wenn ich fürs Brot schaufle, bin ich abgelenkt vom Hunger. Weil der Hunger nicht vergeht, sorgt sie dafür, dass sich das Schaufeln vor den Hunger schiebt. Das Schaufeln ist an erster Stelle beim Schaufeln, sonst packt der Körper die Arbeit nicht.“

In den vergangenen Jahrzehnten ist viel über die Deportation geschrieben und erzählt worden. Das ist gut so. Wir sind es unseren nachfolgenden Generationen schuldig, die Erinnerung daran wachzuhalten. Nicht nur, weil die Deportation eines der markantesten Ereignisse in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen ist, aber auch weil es die Folge eines unerbittlichen Krieges war, den gerade die Deportierten nicht mit zu verantworten hatten.

Die bekannte Mundartdichterin Grete Lienert-Zultner hat die ganze Tragik des Deportationsgeschehens in ihrem Gedicht „Uevschid 1945“ festgehalten:
Ich meß ewech, ich meß dervun. Gott wiß, wonni ich weder kun. Mer messen fär ke Rußlond zähn. Härr hälf, datt mir as weder sähn? Ach Motter härz, ach Vueter meng, sorjt ir na af meng Kängdcher feng! Är Vueter äs äm Kräch … ach wih! Mer wässen nemmel, liewt e mi … Na reißt erbarmungslis, uch mech vu mengen Kängden em ewech … Läw Älder, ach, ir blewit ellin, nor Ald`n uch Kängd än der Gemin. Ach Gott, na schlit de Uevschiedsstangd! Behät ich Gott! Bleiwt mer gesangd. Und sed getrist, won ich uch zähn, ist wärde mir es weder sähn.
Mit diesem Gedicht möchte ich an all jene erinnern, die in der Deportation oder an ihren Folgen ihr Leben verloren haben. Wir gedenken ihrer 75 Jahre nach Beginn dieser Deportation.

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